Fallschirmsprung 8.2019

Nicht träumen, machen!

Meine Freundin Susanne hat mich mal nach meinen Träumen gefragt  und ich habe ihr von dem Wunsch nach einem Fallschirmsprung erzählt.
Ihre Reaktion: “ Nicht träumen, machen !“.  Sie hat gegoogelt, ob und wo Tandemsprünge für Menschen mit Handicap angeboten werden und ist auf Franzi und Bertl von Fallschirmsprung-tandem.de gestoßen. Die Beratung per Telefon war unkompliziert und locker. Nach kurzer Rücksprache mit mir hat sie gebucht und gemeinsam haben wir nach einer Unterkunft gesucht.

Übernachtet haben wir in Lohberg, bis zum Flughafen Klatovy in Tschechien, war es noch ca. eine Stunde Fahrt. Am Flugplatz angekommen, erwartete uns ein buntes Bild: eine Rasenpiste, ein Restaurant, eine große Halle, ein Zirkuszelt und jede Menge Buden und Caravans. Nachdem wir den Wohnwagen von Bertl gefunden hatten, wurde erstmal die Bürokratie erledigt – Bezahlung, Vertrag, Foto/Video-Paket.

Anschließend erfolgte die Einweisung von Bertl, was macht man wann und worauf muss man achten. Danach lernten wir unsere Tandemmaster Tan und Mike kennen. Mike hat bereits 9000 Sprünge absolviert und eine Genehmigung für den Sprung mit Gehandicapten. Er hat mir alles nochmal genau erklärt, ich bekam einen Overall zum Anziehen und das spezielle Gurtsystem wurde angelegt. Dafür wurden die Beine mit Gurten und Klettbändern zusammen gehalten. Eine „Flucht“ war somit nicht mehr möglich. Für den Absprung wurden die Beine so fixiert, dass sie nach hinten angewinkelt werden. Nach dem freien Fall und dem Beginn der Gleitphase wird die Fixierung gelöst und die Beine werden vorne in „Sitzposition“ per Karabiner eingehakt, dabei konnte ich mithelfen, indem ich die verschnürten Beine am Gurt nach oben gezogen habe.

Plötzlich hatte ich eine kleine Videokamera vor der Nase und wurde von Bertl für mein Video interviewt und für den Flug motiviert.

Wegen eines Regenschauers verzögerte sich der Sprung. Wir haben mit dem Team geplaudert und uns etwas umgeschaut. Da überwiegend alles Rasenfläche ist, war es etwas holperig. Eine rollstuhlgerechte Toilette ist nicht vorhanden. Insgesamt war es eine sehr entspannte und lässige Atmosphäre, so dass sich die Nervosität noch in Grenzen hielt. Nach einer ca. einstündigen Wartezeit bekamen wir Bescheid, jetzt ging es endlich los. Mit dem Rolli ging es über die Rasenpiste zum Flieger, eine recht abenteuerlich bemalte Propellermaschine. Mit zwei Mann wurde ich in den Flieger gehoben und zu meinem Sitzplatz auf dem Boden gezogen. Die Maschine füllte sich nach und nach, insgesamt waren es vier Tandemspringer und ca. 20 Einzelspringer. Die Absprungreihenfolge wurde geklärt. Franzi und Bertl waren auch dabei, um Mike und mir vor dem Sprung zu helfen. Es ging hoch auf ca. 4300 Meter. Mike zeigte mir die Umgebung, erklärte nochmal den Ablauf und versicherte mir, dass die Erdanziehung auch in Tschechien funktioniert – sehr beruhigend ;-). Dann fing er an, mich an seinen Gurten einzuklinken und überprüfte alles mehrmals gewissenhaft.

Es wurde unruhig im Flieger und die ersten standen auf. Als die Klappe hinten aufging wurde mir doch mulmig.  Es war wie ein großer, fliegender Mülleimer, dessen Inhalt gleich nach draussen befördert wird. Diejenigen, die vor uns sprangen waren schnell verschwunden. Plötzlich stand bzw. hing ich selber an der Kante und beim dem Blick nach unten wurde mir ganz anders. “ Was tue ich hier eigentlich „, “ das war’s dann wohl“….alles mögliche schoss mir durch den Kopf.
Mike legte meinen Kopf in den Nacken und dann ging es auch schon abwärts. 60 Sekunden freier Fall mit ca. 126 kmh….atemberaubend. Nach kurzem Schulter klopfen, breitete ich die Arme aus und versuchte in die Kamera zu lächeln. Mike löste den Fallschirm aus und die Gleitphase begann. Nach einem Moment der Erleichterung wurde die hintere Fixierung der Beine gelöst und wie besprochen nach vorne verlegt. Ganz entspannt segelten wir durch die Luft und ich genoss die Aussicht und das schwerelose Gefühl. Nach ca. 8 Minuten ging es langsam in Richtung Landebahn. Ein paar Helfer standen schon parat, um uns zu helfen und viel zu schnell war ich zurück auf dem Boden der Tatsachen.
Die Gurte wurden gelöst und ich wurde wieder in meinen Rolli gesetzt.

An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Mike für Deine Hilfe, Deine Gelassenheit und Deinen Humor. Die Erdanziehung hat tatsächlich funktioniert!

Meine Freundin kam strahlend von ihrer Landung und wir fielen uns in die Arme – lachend, weinend, überwältigt, glücklich zugleich. Für den restlichen Abend bekamen wir das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Bertl überreichte uns unsere Urkunden. Wir verabschiedeten uns von ihm und Franzi. Ihr seid ein super Team, vielen lieben Dank!!!
Der Druck in den Ohren hielt noch ein Weilchen an, der Hunger meldete sich langsam zurück.

Es war ein wunderbarer Tag mit einem Glücksgefühl, das noch lange anhielt. Und es hat sich gezeigt, dass für Rollifahrer vieles möglich ist. Nicht nur träumen, machen!!!!

Ab in den Flieger
Es geht hoch hinaus.
An der Absprungkante

freier Fall

Gleitflug

 

 

Bild anklicken für den Videofilm auf www.fallschirmsprung-tandem.de